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Geben Sie Ihren Kunden was auf die Ohren

Die Menschen mit den Ohrstöpseln begegnen uns täglich: In der Bahn, beim Joggen im Park oder beim Einkaufen. Längst nicht alle hören Musik, viele lauschen so genannten Audio-Podcasts. „Radio zum Mitnehmen“ liegt im Trend. Öffentlich-rechtliche Sender bieten inzwischen zahlreiche Podcast-Formate an und auch die Privatwirtschaft setzt zunehmend auf selbst produzierte Beiträge. Doch was taugen Podcasts als Marketinginstrumente? Brigitte Hagedorn, Journalistin und seit zehn Jahren Betreiberin von audio:beitraege, haben wir zum Thema Podcasting interviewt.

Audio-Podcasts sind oft ein Stiefkind im Marketing-Mix. Wie hoch sind die Nutzerzahlen? Gewinnt Podcasting an Bedeutung?
Es gibt nicht viele aktuelle und repräsentative Studien zur Podcastnutzung. Die ARD/ZDF-Onlinestudie fand allerdings heraus, dass grundsätzlich mehr Videos als Audios im Netz genutzt werden. Bei Podcasts – also Audio- und Videodateien, die man abonnieren und offline hören bzw. sehen kann – gibt es keine Vorliebe für Video-Podcasts. Wie viele Hörer ein Podcast erreicht, ist ganz unterschiedlich und abhängig vom Inhalt, von der Sendefrequenz, der Art der Verbreitung und vielem mehr.

Die steigenden Zunahme der Nutzung von Smartphones und Tablets kommt auch dem Podcasting zugute. Denn mit den entsprechenden Apps ist Podcasthören schon fast so einfach wie Radiohören.
Ehrlich muss man aber sagen, dass Podcasts nach wie vor ein Nischenmedium sind, wenn auch ein etabliertes. Wenn man Podcasts als Marketinginstrument einsetzen will, gilt daher ganz klar „weniger ist mehr“. Die Kontakte, die Sie mit einem Podcast ansprechen, haben eine sehr hohe Qualität und sind „nachhaltiger“ als vielleicht ein Follower auf Twitter oder ein Fan auf Facebook.

Was gehört zu einem guten Podcast?
Das Wichtigste sind die Inhalte und die Begeisterung, das Engagement, mit dem die Inhalte transportiert werden. Daneben hat Authentizität einen hohen Stellenwert und Ehrlichkeit und Vertrauen werden von den Hörern belohnt und erhöhen die Hörerbindung.

Die technische Qualität steht nicht im Vordergrund und ein Podcast muss sich nicht mit den Beiträgen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks messen lassen. Allerdings sollten die Inhalte schon gut zu verstehen sein – akustisch und inhaltlich – und die Hörer nicht mit schwankenden Lautstärken, störenden Geräuschen oder zu vielen „ähhs“ vergrault werden.

Was wird für einen Podcast benötigt?
Ein Audio-Podcast lässt sich mit relativ geringem technischen Aufwand verwirklichen: Ein PC, ein Headset und eine Audioschnittsoftware reichen für den Start. Ein digitales Aufnahmegerät ist hilfreich, wenn man Interviews führen möchte.

Wie hoch ist der Aufwand, einen Podcast ins Leben zu rufen und zu betreiben?
Am Anfang steht, wie bei jeder Marketingmaßnahme, das Konzept. Hier sollten Sie Inhalte, Ziel und Zielgruppe festlegen. Außerdem müssen Sie überlegen, wie soll der Podcast gestaltet sein, wie lang soll jede Episode ungefähr werden und wie oft will ich senden. Der Podcast muss gehostet werden, braucht vielleicht noch ein schickes Intro (Jingle) und er muss in verschiedenen Verzeichnissen angemeldet werden, damit er auch gefunden wird.

‚Übung macht den Meister‘ gilt auch bei der Podcastproduktion und Sie können diese  recht effizient betreiben. Beiträge lassen sich zum Beispiel vorproduzieren oder Sie holen sich für einzelne Arbeitsschritte Unterstützung von außen.

Wie wird ein Podcast bekannt?
Zum einen über die bereits erwähnten Podcastverzeichnisse wie iTunes oder podcast.de. Hier muss der Podcast einmalig eingetragen werden. Zum anderen über  Social-Media-Kanäle wie Twitter oder Facebook. Und auch die klassischen Medien wie Flyer oder Pressemitteilungen eignen sich, um auf den Podcast aufmerksam zu machen. Häufig sind Kooperationen hilfreich, die ebenfalls auf die Sendungen hinweisen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und man muss immer schauen, wie man seine Hörer am besten erreicht.

Selbermachen oder extern vergeben – wo liegen die Vor- und Nachteile?
Diese Entscheidung ist von der Art und Größe des Unternehmens sowie von Ziel und Inhalt des Podcast-Projektes abhängig.

Wenn Sie gerne reden – vielleicht sogar geübt sind, weil Sie z.B. auch Seminare leiten -, sich gerne mit der technischen Seite auseinandersetzen und die zeitlichen Ressourcen haben, sollten Sie es selbst machen. Dann nutzen Sie den großen Vorteil, den ein Podcast als Marketinginstrument bietet. Nämlich Authentizität und Transparenz für Kunden und Interessierte zu vermitteln. Und die Hörer lauschen in jedem Fall lieber den Experten – auch wenn sie nicht die perfekte Radiostimme haben – als den glattgebügelten Texten einer PR-Abteilung.
Lässt man den Podcast komplett von einer Agentur machen, sollte man darauf achten, dass Inhalte transportiert werden und keine Werbespots!
Doch natürlich gibt es auch einen Mittelweg. So können Sie einzelne Teile der Produktion abgeben, wie etwa den Feinschnitt, das Hochladen und Veröffentlichen im Netz und auch die Verbreitung. Und wenn Sie nicht alleine vor dem Mikrofon sitzen und monologisieren möchten, dann führen Sie Gespräche mit Mitarbeitern oder lassen sich interviewen.
Bei der Konzepterstellung ist es – besonders für größere Unternehmen – ratsam, (s)einen PR-Berater hinzuzuziehen, damit der Podcast auch ins gesamte Marketingkonzept passt.

Welche Marketing-Ziele lassen sich mit dem Medium Podcasting besonders gut erreichen?
Mit einem Podcast können Sie sich regelmäßig auf sympathische Art an Kunden und Interessierte wenden. Sie erreichen Ihre Zielgruppe dabei recht genau, da Ihren Podcast nur abonniert, den auch das Thema interessiert.
Die persönliche Ansprache ist emotionaler als etwa ein Lesetext und schafft Vertrauen. Außerdem stärkt ein Podcast mit seinen wiedererkennbaren Elementen (wie Jingle, Stimme, Struktur oder Logo) die eigene Marke.
Und mit einem Podcast können Sie sich bzw. Ihr Unternehmen als Experte positionieren, in dem Sie Ihr Fachwissen mit Ihren Hörerinnen und Hörern teilen.

Welche Tipps haben Sie für einen Unternehmens-Podcast?
Überlegen Sie sich, was Sie mit Ihrem Podcast erreichen möchten und wen. Schätzen Sie Ihre zeitlichen Ressourcen gut ein (besonders, wenn Sie selbst vors Mikrofon treten wollen) und überlegen Sie sich mindestens für die ersten fünf Episoden die Inhalte. Denn Sie wären nicht das erste Unternehmen, welches hochmotiviert mit der eigenen Hörsendung im Internet startet und nach der ersten Episode kommt nichts mehr. Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit werden von den Hörern geschätzt.

Vergessen Sie jedoch nicht, dass Podcasten auch Spaß machen soll. Und es muss nicht alles von Anfang an perfekt sein. Gerade das Unperfekte, das Authentische, Leidenschaftliche macht den Podcast aus und unterscheidet dieses Medium von herkömmlicher Werbung.

 

 

brigittehagedorn1Brigitte Hagedorn arbeitet mit Selbstständigen und Organisationen, die sich auf lebendige und glaubwürdige Weise Gehör verschaffen wollen. Die mit Hörbeiträgen, Podcasts oder einer Audio-Slideshow Kunden binden und neue Kunden gewinnen möchten.

Ihr Angebot reicht dabei von der Hilfe zur Selbsthilfe bis zum Rundum-Sorglos-Paket. Außerdem berät Sie rund um das Thema Podcasting, leitet Podcast-Workshops und führt Inhouse-Schulungen durch.

 

Homepage: http://www.audiobeitraege.de
Blog: http://www.audiobeitraege.de/schon-gehoert/
Twitter: https://twitter.com/audiobeitraege

(Bildnachweis Mikro: © koya79 – Fotolia.com)

2 Gedanken zu “Geben Sie Ihren Kunden was auf die Ohren

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