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Was tun mit dem mobilen Traffic?

mobile_webseite(Gastbeitrag) Die Frage mag manchen Websitebetreiber verwirren, aber tatsächlich prallt bereits heute ein nennenswerter Anteil von Besuchern auf Internetseiten an nutzlosen Inhalten beim Besuch mit einem Mobiltelefon ab, ohne dass dies überhaupt wahrgenommen wird. Wie groß ist das Problem auf Ihrer eigenen Website? Warum sollten Sie es nicht länger ignorieren?

Mobile ist längst Realität
Die Großen vieler Branchen haben längst reagiert, weil der mobile Markt stetig wächst. Hier wurde zeitig erkannt, dass das „Phänomen Mobile“ nicht mehr weggehen wird. Die Goldgräberzeit ist also streng genommen bereits vorbei. Dennoch ist ein Großteil des heutigen Internets auf Desktop-Rechner und Laptops ausgelegt. Auf einem Tablet ist die Site im Idealfall noch konsumierbar, spätestens auf Smartphones ist der Spaß vorbei. Im besten Fall sind die Inhalte dort mit einer Menge Scroll- und Zoomarbeit – begleitet von fehlgeleiteten Klicks und ärgerlichen Wartezeiten – zwar nutzbar, von Benutzerfreundlichkeit oder einfachen Wegen zum Ziel (des Besuchers) kann aber keine Rede sein.

Speziell bei kleinen und mittleren Unternehmen mit begrenztem Fokus auf und Budget für das Web machen sich weder IT noch Management viele Gedanken über mobile Besucher. Als Internetmarketing-Agentur sehen wir regelmäßig existierenden und nennenswerten Traffic in Werbekonten kleiner und mittlerer Unternehmen – gleich ob B2B oder B2C -, der auf faktisch unbenutzbare Websites geleitet wird. Dort produzieren die Besucher außer Kosten nur hohe Absprung- und Abbruchraten. Fehlt es an Ressourcen für eine angemessene Reaktion, ist die einzige Option das Einstellen der Bewerbung auf Mobilgeräten. Das ist aber weder wirtschaftlich sinnvoll, noch weitsichtig genug!

Wie groß ist mein Problem?
Um herauszufinden, inwiefern Ihre eigene Website bereits mobilen Traffic erhält und wie gut Sie die Bedürfnisse Ihrer Besucher befriedigen, ist ein Blick in die Webanalyse ein idealer Einstieg. Hier werden Beispiele anhand von Google Analytics gezeigt, aber auch andere Werkzeuge zur Webanalyse bieten ähnliche Daten und Auswertungsmöglichkeiten. Ist keine Webanalyse implementiert, hilft zur Not auch die Auswertung der Serverlogdateien.

Anteil und Kennzahlen mobiler Besucher
Stellen Sie einen größeren Zeitraum wie z. B. die letzten 6 Monate ein, um ausreichend Daten zu betrachten. Anschließend finden Sie in Google Analytics in einem eigenen Bereich unter „Besucher – Mobil“ eine Übersicht zur mobilen Nutzung.

Schon diese stellt einige Kennzahlen mobiler Besuchern nicht-mobiler Besucher gegenüber:

abb1_analytics-mobile-besucherNicht jede Website hat einen so hohen Anteil mobiler Besucher – wie sieht es bei Ihnen aus?

So bestimmen Sie zunächst einmal einfach (aber wichtig) den Anteil mobiler Besucher. Der ist je nach Website unterschiedlich hoch – und je nach  Abweichung der Kennzahlen fällt auch das aktuelle „Problem“ für Ihre Website schwerwiegend oder geringer aus. Konzentrieren Sie sich nicht allein auf Absprungrate, Besuchstiefe und -dauer, sondern blenden Sie weitere KPIs wie vor allem Conversions (falls Ziele eingerichtet sind) und Umsatz (bei Shops mit aktivem eCommerce-Tracking) ein, um zu sehen, wie gut die Besucher derzeit Ihre Ziele als Betreiber bereits erreichen. Detailanalysen mit eigenen Reports, benutzerdefinierte Segmentierung der Besucher nach Geräten und anderen Merkmalen etc. sind weitere sinnvolle Schritte, wenn Sie weiter in die Analyse des mobilen Traffics einsteigen wollen.

Geräte
Auch mit Bordmitteln können Sie weitere Erkenntnisse erhalten. Ein Klick auf die „Geräte“ bietet eine Ansicht, aus der Sie erkennen, dass Tablets in Google Analytics ebenfalls als Mobilgeräte einstuft werden.

abb2-analytics-mobile-geraeteTablets – vor allem das iPad – dominieren bei vielen Websites die Statistik der Geräte

Spätestens durch diese Mischung aus Geräten und Formaten wird klar, dass Segmentierung der Daten zur Pflichtaufgabe wird, um Kandidaten mit auffälligem Verhalten detaillierter zu betrachten. Sinnvoll ist es auch, hier den Wechsel der „primären Dimension“ oberhalb der Tabelle zu nutzen, um sich Kennzahlen für unterschiedliche Bildschirmauflösungen anzusehen.

Finden Sie keine vergleichbaren Bereiche in Ihrem Webanalysetool, helfen z. B. die Segmentierung nach Betriebssystemen und / oder Browsern sowie der Auflösungen weiter, um den Anteil des mobilen Traffics zu identifizieren und sich einen ähnlichen ersten Überblick zu verschaffen.

Suchbegriffe

So sind z. B. in jeder Lösung die Suchbegriffe zu ermitteln, welche mobile Besucher in nennenswerter Anzahl auf Ihre Seiten gebracht haben. In Google Analytics geht dies auf verschiedenen Wegen; einer führt direkt über die oben dargestellte Übersicht: Stellen sie hier als sekundäre Dimension „Keyword“ ein und aktivieren Sie via „Erweitert…“ einen Filter „Mobil (einschließlich Tablet) entspricht genau Yes“. Sie sehen nun, welche Suchbegriffe die meisten mobilen Besucher auf Ihre Website gebracht haben und können daraus i. d. R. auch ablesen, welche Inhalte besonders wichtig für mobile Besucher sind. Hier geht es also vor allem um die Ziele Ihrer (mobilen) Besucher.
Sollten Sie auch bezahlte Besucher auf Ihre Website leiten, blenden Sie diese im ersten Schritt aus und betrachten Sie sie getrennt. In einzelnen Fällen lohnt sich auch ein separater Blick auf die Trafficquellen, denn wenn trafficstarke und themenrelevante mobile Sites auf Ihre Präsenz verweisen und die Zielseite auf dem Mobilgerät „stinkt“, vernichten Sie hier vielleicht gerade jeden Tag aktiv Geschäftspotential.

abb3-analytics-mobile-keywordsIn Ihrer Übersicht sind vermutlich andere Keywords zu finden 😉

Stellen Sie sich der Realität
Der nächste Schritt ist nun, sich mit den Problemen der auffälligsten Besuchergruppen (meint hier: Geräte, Auflösungen etc.) zu befassen, indem man auf einem echten Gerät die eigene Website besucht und versucht, sich dort zurechtzufinden. Da das nicht immer möglich ist, gibt es zwar auch zahlreiche Emulatoren, die im Browser genutzt oder installiert werden können – diese liefern aber leider selten zuverlässige Ergebnisse. Sie sind im Ernstfall daher auf externe Hilfe und / oder im Internet verfügbare (meist kommerzielle) spezialisierte „Testnetzwerke“ mit echten Endgeräten angewiesen.

Die Chance nutzen

Haben Sie ein Problem in Ihrer Webanalyse gefunden und können mit den gewonnenen Zahlen grob abschätzen, was ein vergleichbares Verhalten von mobilen zu sonstigen Besuchern an Umsatzsteigerung bringen würde, bekommt eine mobile Lösung schnell einen ganz neuen Stellenwert. Ob nun eine App, eine separate, „abgespeckte“ mobile Version Ihres Internetauftritts oder für verschiedene Formate optimierte neue Fassung via „Responsive Design“ die angemessene Antwort (oder zumindest ein Einstieg in das Thema) ist, muss fallweise entschieden werden. Zu individuell sind die Anforderungen von Anbietern und Besuchern, als dass es einen Königsweg geben könnte. Der Weg zu einer geeigneten  Lösung kann von einem einfachen „mach das mal schön auf dem Handy“ bis zu komplexen Abfolgen von Planung, Prototyping und Tests führen. Steht die eigene Website erst einmal auf dem Prüfstand, können zudem schnell weitere Optimierungspunkte aufgedeckt und angegangen werden, die sich nicht nur auf mobile Besucher beschränken.

Mobile ist Chefsache

Ungeachtet der Tatsache, dass die bereits bestehenden Anforderungen mobiler Besucher vielleicht (noch) weitgehend auf technischer Ebene gelöst werden können, ist das Thema „Mobile“ klare Chefsache. Denn es sind langfristig keine technischen, sondern strategische Herausforderungen, denen sich Unternehmen (sei es echtes Internetbusiness oder lokales Angebot) im Web zu stellen haben. Noch besteht jenseits der etablierten Player in vielen Branchen und Nischen eine Chance, sich einen Vorteil zu sichern. In anderen Fällen ist bereits ein Vorsprung des direkten Wettbewerbs aufzuholen, wenn man 2014 noch dabei sein möchte.

Also sollte es auch nicht die alleinige Entscheidung der IT-Abteilung sein, wie heute – und vor allem in Zukunft – mit mobilen Besuchern umgegangen werden soll. Die Betrachtung des Status Quo sowie Definition und Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen mag im Glücksfall ohne Zutun des Managements noch in die richtige Richtung gehen. Spätestens bei der Planung von Ressourcen, Budgets und Umsätzen ist aber ohne Einrechnen des mobilen Faktors ein stetig wachsender Fehler in der Unternehmensausrichtung vorprogrammiert. Wer nach Wachstumspotential und Chancen für Sicherung und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit sucht, wird genau hier fündig. Jenseits des bereits im Internet bestehenden Angebots liegt häufig noch ungenutztes Potential für die Optimierung bestehender Prozesse. Oder neues Geschäft, welches aus dem stetig wachsenden mobilen Markt und unserer Bereitschaft entsteht, sich auch in Alltagssituationen oder zur schnellen Informationssuche im Business mehr und mehr auf das Smartphone zu verlassen. Seiten Sie sicher: Falls Ihre Zielgruppe das heute noch nicht tun sollte, dann spätestens morgen…

Lösungsansätze

Wie groß das Problem auch erscheinen mag: Für jede Art (Shop, Portal, Forum, Blog, Unternehmenspräsentation…) von Website gibt es bereits erprobte Lösungsansätze. Nicht alle müssen 100% Ihrer Webpräsenz abdecken; auch bei den Kosten gibt es eine breite Spanne. Die schlechteste Reaktion wäre aber, nichts zu tun und das Thema weiter aufzuschieben. Vor allem dann, wenn sie bereits jetzt zweistellige Anteile Ihrer Besucher durch technische Hindernisse davon abhalten, Geschäfte mit Ihnen zu machen. Machen Sie sich daher mit den Möglichkeiten vertraut und springen Sie auf den stetig beschleunigenden Zug auf, so schnell es geht.

Die IHK Krefeld bietet zur Orientierung und als Einstieg in das Thema „Mobile Web“ aktuelle Zahlen zum mobilen Markt und einen Überblick über mobile Websites und Apps als Lösungsansätze in der kostenlosen VeranstaltungMobile Webseite oder App – was braucht mein Webauftritt?“ am Montag, den 18. März von 16:00 bis 18:00 Uhr (Nordwall 39).

(Gastbeitrag von Markus Baersch, Geschäftsführer gandke marketing & software gmbh)

Bildnachweis: © Tomasz Zajda – Fotolia.com

5 Gedanken zu “Was tun mit dem mobilen Traffic?

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    • Lieber Herr Rosin,
      danke für Ihren netten Kommentar. Bisher bieten wir die kostenfreien Infoveranstaltungen „nur“ vor Ort in der IHK an.
      Wir überlegen allerdings, vielleicht die ein oder andere Veranstaltung auch via Stream und Chat anzubieten.
      Besten Gruß,
      Tanja Neumann

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