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12 Fragen an: Nadja Amireh, Wake up Communications

rangizzz---Fotolia.comWir führen eine neue Serie in unserem Blog ein: 12 Fragen an… – Wir möchten für Sie nachfragen und erfahren, wie Unternehmen der Region sich im Social Web aufstellen und wie sie im Bereich Onlinemarketing aktiv sind. Wir freuen uns auf Ihr Feedback und Anregungen und starten mit unseren ersten 12 Fragen an Nadja Amireh:

 

1. Ihre Agentur Wake up Communications betreut den Gebäckhersteller Lambertz. Warum hat das Traditionsunternehmen den Schritt ins Social Web gewagt?

Der Begriff Tradition trifft tatsächlich zu, wenn wir über die Marke Lambertz sprechen. Immerhin feiert sie dieses Jahr ihr 325-jähriges Jubiläum und ist damit die älteste deutsche Süßwarenmarke! Doch Tradition ist nur die eine Seite; Zukunftsorientierung gehört auch dazu. Weil Lambertz in die Zukunft blickt, hat die Marke vor rund zwei Jahren beschlossen, ihre Kommunikation auf soziale Netzwerke auszuweiten.

2. Welche Ziele verfolgt die Social-Media-Strategie des Unternehmens?

Wir möchten bestehende Kunden und Fans der Marke, aber auch jüngere Zielgruppen, erreichen, um ihnen unsere Produkte näher zu bringen und von ihnen zu erfahren, wie und wo wir diese noch verbessern können. Wir zeigen in sozialen Netzwerken die vielen Facetten der Marke Lambertz, angefangen bei Infos rund um das Unternehmen, die Mitarbeiter, den Inhaber Dr. Hermann Bühlbecker und Sponsoring-Aktivitäten bis hin zur Bandbreite der Produktpalette.

3. Lambertz ist auf Facebook, Twitter, Youtube und Pinterest aktiv. Warum haben Sie sich für diese vier Plattformen entschieden?

Alle Plattformen haben unterschiedliche Eigenarten, Vor- und Nachteile. Facebook ist für uns einfach die beste Plattform, weil sie eine breite Zielgruppe abdeckt. Twitter ist als Newsdienst unschlagbar, YouTube bietet uns eine Plattform für Bewegtbild und Pinterest eröffnet uns die Möglichkeit, viele Impressionen in den einzelnen Boards anzuordnen und zu präsentieren.

Screenshot-Lambertz-Facebook

 

4. Wie nutzt Lambertz die unterschiedlichen Plattformen? Welche Inhalte kommen wo besonders gut an?

Facebook ist unsere wichtigste Plattform, um die Fans zu erreichen. Hier findet alles statt: Wir zeigen neue Produkte, veranstalten Umfragen und Gewinnspiele und bieten Service-Dienstleistungen wie eCards und Apps an. Die neue App „Fragt Hermann Bühlbecker“ starten wir in Kürze. Dort können die Fans Fragen an den Firmeninhaber stellen, die er dann beantworten wird.
Twitter ist als Newsdienst unschlagbar, wir folgen dort vielen Influencern wie Bloggern und Journalisten und sind damit immer auf dem Laufenden.
Da Lambertz bei Veranstaltungen wie der Monday Night (die bekannte VIP-Party, die das Unternehmen jährlich ausrichtet) schönes Bildmaterial gewinnt, nutzen wir natürlich den Trend Bewegtbild und verwenden diese Impressionen auf YouTube.
Pinterest haben wir ausgewählt, weil es eine gewaltige Bildsprache hat und wir damit die Marke und die Produkte schön und emotional präsentieren können.

5. Wie macht man im Social Web Lust auf Süßes, ohne seine Fans und Follower mit Werbung zu nerven?

Das ist immer wieder die große Kunst. Natürlich stehen die Produkte im Vordergrund, aber unser Ziel ist es, den Fans auch drum herum etwas zu bieten, sie zu informieren und sie zu erfreuen. Sie kennen den netten Gruß zum Wochenende, den auch wir manchmal senden. Er wird oft belächelt und als trivialer Content abgetan. Wir denken jedoch, dass das richtig ist, was den Fans gefällt und eine gute Beziehung zur Marke aufbaut. Und wenn das eben auch mal ein freundlicher Gruß ist, dann ist das richtig so. Die Tonalität muss zur Marke passen und das tut sie bei uns.

Screenshot-Lambertz-Twitter

6. Lambertz pflegt zwar keinen eigenen Unternehmensblog, aber enge Kontakte zu Bloggern. Warum sind Blogger Relations so wichtig für Lambertz?

Blogger Relations betreiben wir schon seit ungefähr zwei Jahren und waren damit unter den Süßwarenherstellern sicherlich ein Vorreiter. Blogger sind sehr wichtig für uns. Wir bieten ihnen regelmäßig Testprodukte an, um direktes Feedback zu bekommen. Das funktioniert sehr gut und die Zusammenarbeit mit den Bloggern läuft super. Inzwischen erreichen uns fast täglich Anfragen von Bloggern, die gerne Kekstester werden möchten.

7. Wie kann ein Unternehmen Blogger Relations aufbauen? Was sollte man unbedingt beachten?

Zuerst einmal muss ein Unternehmen überlegen, ob Blogger Relations sinnvoll für die Marke sind, und konkrete Ziele definieren, die erreicht werden sollen. Wie immer bei guter Kommunikation sollte eine Strategie und kein Aktionismus dahinter stehen. Wichtig ist es, gut zu recherchieren, wo und wer die „richtigen“ Blogger für die eigene Marke sind. Sie auszuwählen ist oft nicht ganz leicht. Zwar gibt es einige Indikatoren wie Rankings, Reichweite des Bloggers oder aber auch Empfehlungen aus der Social-Media-Szene, letztendlich muss die Zusammenarbeit mit einem Blogger aber nicht unbedingt gut funktionieren, nur weil dieser im Netz anerkannt ist.

Wichtig ist, sich den Blog und die Art der Kommunikation genau anzuschauen, bevor man den Blogger anspricht. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Plumpe, womöglich noch nicht mal personalisierte Massen-Mails sind schlechter Stil. Das mag kein Blogger gern und man muss sich nicht wundern, wenn keine Reaktion oder gar eine negative kommt. Auch Blogger sind Menschen und es ist kein Geheimnis, dass sich jeder Mensch über eine individuelle Art der Ansprache freut. Man sollte dem Blogger sagen, was man möchte, welches Produkt man ihm anbietet und wie die Zusammenarbeit abläuft, z. B. ob der Blogger ein Produkt behalten darf oder ob er es zurückgeben muss. Auch die Frage der Reisekosten sollte geklärt sein, z. B. falls man den Blogger zu einer Veranstaltung einlädt. Das vermeidet Ärger im Nachhinein.

Eines sollte aber immer klar sein: Der Blogger testet freiwillig und wird seine Meinung sagen – der Versuch einer Beeinflussung ist unbedingt zu vermeiden. Das birgt allerdings auch die Gefahr, dass ein Blogger mal etwas Negatives schreibt. Das muss ein Unternehmen aushalten können.

8. Welche Aktionen sind für Blogger besonders attraktiv?

Viele Blogger testen gerne Produkte, das ist in unserem Fall die häufigste Art der Zusammenarbeit. Wir senden ihnen aktuelle Produkte zu und bitten sie, diese zu testen und ihr ehrliches Feedback in ihrem Blog und auf ihren weiteren Social-Media-Kanälen (falls vorhanden) zu veröffentlichen. Das funktioniert nicht nur bei Keksen gut. Gerade haben wir Blogger Relations für einen Staubsaugerhersteller durchgeführt und Design-, Wohn- und Lifestyle-Bloggern Testgeräte angeboten. Diese Blogger haben dann sehr spannend über das an sich gar nicht so spannende Thema Staubsaugen berichtet.

Zudem sind Treffen mit Bloggern auf Messen oder Blogger-Events im eigenen Unternehmen eine gute Möglichkeit, Blogger näher kennenzulernen und sie mit dem Unternehmen und/oder der Marke vertrauter zu machen. Wir bereiten gerade ein Blogger-Event bei Lambertz vor. Im Herbst werden wir Blogger in die Lambertz-Versuchsküche einladen. Dort werden sie mit dem Firmeninhaber Hermann Bühlbecker und der Leiterin der Produktentwicklung backen.

Aber auch BarCamps (sogenannte Unkonferenzen zu allen möglichen Themen mit Teilnehmern aus der Social-Media-Szene, siehe auch „Barcamp für Unternehmen„) sind für Unternehmen eine gute Möglichkeit, mit Bloggern „unverbindlich“ in Kontakt zu kommen und sie kennenzulernen. Als Unternehmen kann man z. B. Sponsor eines derartigen Camps werden.

9. Wann ist ein eigener Unternehmensblog sinnvoll?

Dann, wenn das Unternehmen die entsprechende Kultur hat. Falls dort ein Klima des Misstrauens herrscht und z. B. die Zugänge zu sozialen Netzwerken gesperrt sind (was leider immer noch sehr häufig vorkommt), ist das Unternehmen noch nicht reif dafür. Natürlich muss auch gewährleistet werden, dass das Blog regelmäßig und gut betreut wird; die Artikel müssen geschrieben, abgestimmt und eingestellt werden, der Zeitaufwand dafür ist nicht zu unterschätzen. Ganz wichtig: Was will und darf das Unternehmen in einem Blog erzählen und was will es damit erreichen?

10. Wie messen Sie den Erfolg der Lambertz-Aktivitäten im Social Web?

Bei Facebook gibt es die Möglichkeit der statistischen Auswertung der eigenen Aktivitäten. Wir schauen uns an, wie sich Fanzahlen entwickeln und wie viel Interaktion stattfindet. Bei Twitter beobachten wir natürlich auch die Followerzahl und die Häufigkeit, mit der wir retweetet werden. Bei Pinterest und YouTube achten wir auf die Zahl der Repins und Abonnenten.

11. Was können Sie uns zu Zeit und Kosten der Social-Media-Aktivitäten verraten?

Der Zeit- und damit auch Kostenaufwand für Social Media sollte nicht unterschätzt werden. Diesen Fehler begehen leider zahlreiche Unternehmen. Nur mit der (oft kostenlosen) Einrichtung eines Accounts ist es nicht getan. Neben der strategischen Planung, Themenrecherche und inhaltlicher Betreuung des Kanals muss man immer auch Zeit einplanen, um kritischen Themen vorzubeugen (Stichwort: Reputationsmanagement durch Social Media) oder auf tagesaktuelle Ereignisse einzugehen. Natürlich sollte man auch seine Erfolge messen und auswerten und ggfs. Korrekturen in der Strategie vornehmen. Das alles erfordert Manpower und die ist nicht kostenlos. Einen genauen Zeitaufwand zu schätzen ist schwierig, denn von 15 Minuten am Tag für die reine Beobachtung von Accounts bis hin zu mehreren Stunden pro Woche, falls man eine eigene Community oder ein eigenes Blog aufbauen möchte, ist alles drin.

12. Welche Tipps haben Sie zusammenfassend für Unternehmen?

Unternehmen sollten geplant und nicht hektisch an Social Media herangehen. Wichtig: Sie sollten zuerst überlegen, welche Erwartungen und Ziele sie haben und realistisch einschätzen, ob das für ihre Marke oder Unternehmen möglich ist und welcher Aufwand dafür notwendig ist. Zudem sollten Unternehmen sich gut informieren, wie man sich in sozialen Netzwerken verhält. Es gibt schon einige Regeln, die man beachten sollte, um nicht in Fettnäpfchen zu treten. Nicht zu vergessen: Wenn man aktiv wird, sollte man unbedingt auch die Mitarbeiter ins Boot holen, sie informieren, was man plant, aber auch, wie diese das Unternehmen in sozialen Netzwerken unterstützen können und was sie lassen sollten (Social Media Guidelines).
Falls man nicht in der (komfortablen) Situation ist, einen oder gar mehrere Mitarbeiter zu haben, die Profis in Kommunikation und/oder Social Media sind, kann man sich im Netz, bei der IHK und in Broschüren (z. B. BVCM, Bitkom usw.) Rat und Tipps holen. Auch Bücher, DVD’s, Seminare oder Webinare zu dem Thema werden zahlreich angeboten. Externe Dienstleister wie Berater und Agenturen können dabei unterstützen.

Liebe Frau Amireh, vielen Dank für das Interview & weiterhin viel Erfolg!

Nadja-AmirehNadja Amireh ist Inhaberin der Kommunikationsagentur Wake up Communications. Mit ihrem Agenturteam ist sie vor allem für Konzerne (z. B. Henkel) und Mittelständler (z. B. Lambertz) aus den Bereichen Konsumgüter, Food, Lifestyle, Tourismus und Bildung tätig und berät sie zu PR & Social Media, aber auch zu Spezialfeldern wie Krisenkommunikation und Nachhaltigkeit.

 

Bildnachweis: © rangizzz – Fotolia.com

 

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