Drucken

12 Fragen an: Thomas Kersting, PORTICA GmbH Marketing Support, Kempen

Male hand holding microphone for the interviewShoppen im Internet gehört mittlerweile zu unserem Alltag – egal, ob wir zu Hause vor dem PC sitzen oder uns unterwegs mit dem Smartphone  ein Schnäppchen sichern. Und so wachsen die Umsätze im Online-Handel stetig. Doch Händler, die sich ihren Teil vom Kuchen sichern möchten, müssen bei der Einrichtung eines Webshops vieles beachten. Tipps und Hinweise gibt Experte Thomas Kersting in unserer Serie “12 Fragen an…”:

1. Ihr Unternehmen PORTICA bietet E-Commerce-Lösungen unter anderem für den stationären Einzelhandel an. Wie können örtliche Händler vom Internet, das lange nur als böse Konkurrenz galt, profitieren?
E-Commerce und stationärer Handel werden in naher Zukunft noch mehr verschmelzen und der Verbraucher wird von den Vorteilen beider Seiten profitieren. Es gibt jetzt schon Retail-Shops, die über ein Touch-Panel neben der Kasse verfügen. Hier kann der Kunde die Ware bestellen, die sich gerade nicht im Geschäft befindet. Er lässt sich die Bestellung ins Geschäft senden, probiert den Artikel aus und bezahlt dann an der Kasse. Einzelhändler, die gleichzeitig E-Commerce betreiben, erhöhen ihre Umsätze nachweislich deutlich.

2. Was müssen Unternehmen vor der Einrichtung eines Webshops beachten?
Die Einrichtung eines Webshops mit Lagerlogistik, Retourenmanagement, Warenwirtschaftssystem und Debitorenmanagement bedarf einer ausführlichen Planung. Alle Leistungen können natürlich auch modulweise an spezialisierte Dienstleister ausgelagert werden. So spart man Lehrgeld.
Die Unternehmen sollten sich im Klaren sein, dass ein erfolgreicher Webshop nicht nebenbei geführt werden kann. So sollte zum Beispiel unbedingt eine Online-Marketing-Strategie vorhanden sein. Die angebotenen Zahlungsmöglichkeiten und das Retourenmanagement sind ebenfalls sehr wichtige Erfolgsfaktoren. Die Möglichkeit des Kaufs auf Rechnung kann die Umsätze verdoppeln, erhöht aber gleichzeitig die Retourenquote und es wird ein Risikomanagement nötig, wozu wiederum Schnittstellen zu Inkassounternehmen gebraucht werden. Gute Planung hilft.

3. Was muss ein guter Webshop leisten?
Die Entwicklung der Technik und der Kundenwünsche schreitet rasant voran. Deshalb ist es wichtig, flexibel reagieren zu können. Der Shop muss immer schnell an die neuesten Trends angepasst werden können. Wichtige Themen sind die Darstellung auf den verschiedenen Mobilgeräten, das Angebot der Zahlungsarten und natürlich die Optik. Kann man keine Kreditkartenzahlung anbieten, weil keine Schnittstelle zu einem Payment-Service-Provider implementiert werden kann, geht eine große Anzahl von Kunden verloren.

4. Wie viel Geld muss man in die Entwicklung und in den Betrieb eines Online-Shops investieren?
30.000 bis 150.000 Euro. Experten sind der Meinung, dass die Realisierung eines Online-Shops die gleichen Kosten und den gleichen Aufwand nach sich zieht wie die Eröffnung eines neuen Ladenlokales in guter Lage. Viele Unternehmen setzen bei ihren Webshops noch höhere Maßstäbe an.
Manch günstiges Webshopangebot entpuppt sich später als Kostenfalle, weil solche Shops nur mit sehr hohem Aufwand zu individualisieren sind. Lange Rede kurzer Sinn: Um wirklich erfolgreich zu sein, benötigen die Unternehmen professionelle Shopware, eine Agentur für die Grafik, einen Online-Marketing-Manager und Programmierer für Anpassungen der folgenden Bereiche: Artikeldarstellung, Bau von Schnittstellen zu externen Diensten, Schnittstellen zum Warenwirtschaftssystem, Schnittstellen für das E-Mail-Marketing, Schnittstellen zum Erhalt umfangreicher Reportings und Schnittstellen zu Lieferanten (Dropshipping).

5. Wenn das Budget begrenzt ist: Wie gut sind Webshops von der Stange?
Baukasten-Shops von der Stange eignen sich gut für sehr kleine Unternehmen, die einen ersten Versuch mit E-Commerce starten möchten. Aber mit solchen Shops kann man meistens kein zielgerichtetes Online-Marketing betreiben und hat schon deshalb keine Chance, erfolgreich zu werden. Auch die Menge der Artikel und viele andere Features sind stark begrenzt. Änderungen sind kaum möglich oder nur mit sehr hohem finanziellen Aufwand zu erreichen. Sehr günstige Lösungen kosten am Ende mehr.

6. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind zu beachten?
Der gesamte Auftritt von der Präsentation der Artikel bis hin zu den rechtlichen Texten wie Impressum oder AGB unterliegt vielen Regeln. Um Abmahnungen zu vermeiden, sollte der Rat von Fachanwälten eingeholt werden.

7. Wer Waren versendet, muss sie bei Nichtgefallen auch wieder zurücknehmen. Wie ist ein erfolgreiches Retourenmanagement aufgestellt?
Das Thema Retourenmanagement muss professionell behandelt werden, damit die retournierte Ware wieder möglichst schnell dem Warenlager zugeführt wird und die Kunden ihre Gutschriften erhalten. Ein für die Prozesse optimiertes Retourenformular unterstützt hierbei erheblich. Eine verspätete Gutschrift verärgert Kunden. Retouren, die nicht unverzüglich bearbeitet werden, verfälschen Reportings und sind in einigen Branchen, etwa in der Modebranche, schon nach relativ kurzer Zeit unverkäuflich. Die Unternehmen sollten auch damit rechnen, dass der gleiche Artikel mehrmals zurückgesandt wird. So können die Retourenkosten für solche Artikel leicht zwischen 10 und 20 Euro liegen. Wichtig ist auch eine gute Kommunikation mit den Kunden, die immer über den Bearbeitungsstand informiert werden sollten.

8. Wie kann ich die Social-Media-Kanäle erfolgreich für das Shop-Marketing nutzen? Was muss ich dabei beachten?
Der Händler sollte prüfen, ob der Social-Media-Kanal zu seinem Sortiment und zur
Zielgruppe als Marketinginstrument passt. Wenn der Händler diesen Kanal einsetzen will, muss er dort konsequent und regelmäßig aktiv sein. Dabei helfen Kommunikationspläne. Der Shop sollte passgenau an den Aktivitäten ausgerichtet sein. So sollte die beworbene Ware ausreichend bevorratet sein oder über reservierte Bestände verfügen. Eine Messung über die erzielten Conversions ist hilfreich. Auch gibt es sogenannte Shop-Widgets, die sich direkt auf Social-Media-Plattformen einbinden lassen und mit denen sich beispielsweise Artikel in den Warenkorb legen lassen.

9. Wie erfolgversprechend sind Mailing-Aktionen? Und wie werden Sie von meinen Kunden wahrgenommen?
E-Mail-Marketing ist heute eine ganz wichtige Form des Online-Marketings. Der Versand von einfach gestalteten Massenmailings hat aber kaum noch Erfolg. Im Trend sind professionelle Tools, die die User-Datenströme im Webshop messen und daraufhin individuelle E-Mails versenden. Die Programme erkennen beispielsweise die Stelle des Kaufabbruchs und senden automatisch ein Angebot mit ähnlichen Artikeln. Über den Link in der E-Mail gelangt der Empfänger sofort wieder an die richtige Stelle im Webshop und wird zum Kauf animiert.

10. Hilft ein Webshop dabei, den Kunden besser kennenzulernen? Wenn ja, wie?
Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, durch Trackingtools die Datenströme im Webshop zu messen. Dies ist wichtig, um den Shop ständig zu verbessern. Welche Artikel werden wann gekauft? An welchen Stellen finden Kaufabbrüche statt? Welche Zahlmethoden werden öfter genutzt? Es gibt reine Onlinehändler, die gerade damit beginnen, Retail-Stores in ganz Deutschland zu eröffnen. Und zwar in den Städten, aus denen die meisten Onlinekäufer kommen. Mit den gewonnen Daten lernen wir Kunden kennen und können uns perfekt auf sie einstellen.

11. Ihr Unternehmen ist ebenfalls im Social Web aktiv. Welche Kanäle nutzen Sie?
Social Media wird immer wichtiger. Erst kürzlich belegte eine Studie, wie wichtig ein hoher Traffic auf Facebook ist. Facebook-Traffic ist seit kurzem der wichtigste Faktor für das Google-Ranking. Wir nutzen Facebook, LinkedIn, Google+, Xing und YouTube.

12. In welchen Online-Shops stöbern Sie persönlich am liebsten?
Ich besuche gerne große Online-Shops mit Portalcharakter, in denen man viele Produktinformationen findet. So kann ich mir schnell Fachwissen über eine bestimmte Produktgruppe aneignen. Dies war früher nur durch das Lesen von Fachzeitschriften möglich.

portica_kerstingThomas Kersting ist Sales Manager beim Kempener Prozessdienstleister PORTICA. Das Unternehmen optimiert seit mehr als 40 Jahren Marketing-, Vertriebs- und Informationsprozesse. Es bedient Kunden aus vielfältigen Branchen und wickelt im E-Commerce, in der Werbemittel-Logistik, in der Verkaufsförderung und im Business Process Outsourcing hunderte von Projekten pro Jahr ab.

Der Fokus liegt auf der effizienten Abwicklung von Prozessen durch das Zusammenspiel von Logistik, Information und Finanzmanagement. PORTICA ist Teil des Verbundes te Neues, zu dem auch das IT-Unternehmen GEDAK und die te Neues Druckereigesellschaft gehören. Weitere Informationen: http://www.portica.de

 

Bildnachweis: © rangizzz – Fotolia.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.