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Wer morgen noch gefunden werden will, muss mobilfreundlich werden

Fotolia_65197651_S_copyright(Gastartikel) Mobile Mobile Mobile! Die Onlinebranche wiederholt dieses Schlagwort nun schon seit mindestens zwei Jahren gebetsmühlengleich, überall und jederzeit. Der Anteil der Websitebesucher mit Mobilgeräten liegt bei vielen Internetseiten schon lange jenseits der 50%, „Responsive Design“ oder gar „Mobile First“ sind vielen Webmastern geläufige Begriffe. Und jetzt nennt uns Google mit dem 21. April 2015 auch noch einen konkreten Termin, ab dem jeder, der sich nicht um Mobilgeräte schert, mit Einbußen zu rechnen hat. Dumm nur, dass vor allem der Mittelstand den Knall noch nicht gehört zu haben scheint. Warum ist das so?

Ungeachtet aller Anzeichen scheint die Realität – vor allem im B2B-Bereich – noch immer ganz anders auszusehen. Der nur geringe Anteil der in der Webanalyse ausgewiesenen Besucher mit mobilen Endgeräten bestätigt in vielen Unternehmen die hartnäckige These, dass das ganze Thema für die eigene Website noch nicht wichtig genug ist, um in eine Umstellung zu investieren. Denn wenn man es angeht, dann aber bitte richtig. Und möglichst teuer. Und so laufen auch viele der Warnungen über mangelnde Mobilfreundlichkeit, die Google seit Ende des letzten Jahres vermehrt über die Webmaster Tools verteilt, vollkommen ins Leere.

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„Blauer Brief“ von Google.

Die Sicherheit, in der man sich wägt, ist aber freilich sehr trügerisch, denn es ist nicht durch Wegsehen abwendbar, dass der Traffic von Desktop- und Laptop-Geräten immer weiter abnehmen wird. Schon 2014 nutzten 69 Prozent der Internetnutzer das Internet über mobile Geräte (Quelle Statista). Eine Studie von Webtrekk bescheinigt einen Mobil-Anteil von 30% am gemessenen Gesamttraffic für das 4. Quartal 2014… mit sagenhaften 45% Wachstum im Jahresvergleich. Dieser Trend wird 2015 nicht einfach umkehren, sondern weitergehen. Wer also heute noch keine nennenswerten Anteile an „Mobiltraffic“ verzeichnet, wird sich in sehr kurzfristigen Dimensionen darauf einstellen müssen, wenn der mit den unoptimierten Inhalten noch erreichbare Kuchen nicht irgendwann zu klein werden soll, um davon satt zu werden.

21. April 2015: Mobilunfreundliche Seiten werden bei Google Probleme bekommen

Ja tatsächlich. So genau konnte man es selten beziffern, aber Google hat diesmal einen konkreten Termin genannt – unter anderem hier. Wer bis dahin seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, kann den Anspruch nicht erfüllen, den Google selbst formuliert: „Nutzer werden bei Suchanfragen eher hochwertige Ergebnisse erhalten, die sowohl für ihre Anfragen relevant als auch für ihre Geräte optimiert sind„. Rankingeinbußen und damit weniger Einblendungen und Klicks für nicht-optimierte Website werden die Folge sein. Die Anzeichen waren ja auch eigentlich nicht zu übersehen.

  • 2014 ließ das damalige „Google-Sprachrohr“ Matt Cutts auf der SMX zur gewohnt schwammigen Aussage hinreißen, dass er nicht überrascht wäre, wenn „die Zahl der Suchanfragen über mobile Endgeräte diejenigen von Desktop-PCs im Jahr 2015 überschreiten würde“. Wer also auf Traffic von Google baut, sollte sich folgerichtig darum kümmern, dass diese Besucher auch etwas mit den Inhalten anfangen können.
  • Bereits zuvor hatte Google sowohl in den Webmaster Tools als auch in Form erweiterter oder neuer Analysetools („Mobile Page Speed“; „Mobile Friendly Testing Tool“; Links siehe unten) eine Menge an Infos und Werkzeugen bereitgestellt. Neue Reports zur „Benutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten“ gegen Ende des Jahres legten den Finger sehr konkret in die Wunden. Auch die Häufigkeit der o. a. „Blauen Briefe“ steigt seit Januar 2015 stetig an.
  • Auf Mobilgeräten werden in den Suchergebnissen bei Google schon seit Ende 2014 alle Seiten entsprechend markiert, bei denen Google keine Probleme bei der Betrachtung vermutet.
    mobil-optimiert
    Mobilfreundlichkeit als „Versprechen“ in Suchergebnissen
  • Bereits einstellen können wir uns auch auf kommende weitere Signale wie z.B. die Kennzeichnung von aufgrund der Größe oder Serverperformance „mobil langsamer“ Seiten.

Was also tun?

So nah der Termin 21. April erscheinen mag: Schnellschüsse bergen Risiko. Wer nur eine eher kleine Website mit wenigen Seiten betreibt, kann sich aber oft mit dem Aufwand weniger Stunden (ggf. eingekauft bei der betreuenden Webagentur) mittels Responsive Design aus der Schlinge ziehen und auch ausreichend testen, ob die Lösung wirklich funktioniert. Komplexere Sites und vor allem Shops oder andere Systeme mit vielen Formularen und Prozessen etc. müssen gezwungenermaßen mehr Ressourcen (und vermutlich auch Geld) investieren, um eine geeignete Lösung zu finden, zu implementieren und ausreichend zu testen, bevor die Umstellung erfolgen kann. Wer damit noch nicht angefangen hat, kann den Prozess nun also bestenfalls noch vor dem 21. April starten; sicher aber nicht abschließen.

Zuvor sind auch ggf. Vor- und Nachteile verschiedener Lösungsoptionen abzuwägen, denn die Lösung heißt nicht immer „Responsive Design und die Bereitstellung der kompletten Website für Mobilgeräte. Aktuelle Aussagen von Google Mitarbeitern auf der Branchenmesse SMX West machen deutlich, dass „Responsive“ genauso gut oder schlecht ist wie andere Lösungen und dass Mobiltauglichkeit ein Faktor ist, der für jede einzelne Seite und nicht eine komplette Domain zu betrachten ist. Es mag also auch eine Option sein, die Top 25 Seiten eines umfangreichen Webauftritts möglichst schnell für Mobilgeräte fit zu machen und bereitzustellen und sich für den Rest die Zeit zu lassen, die für eine zukunftssichere und wirtschaftlich sinnvolle Lösung benötigt wird.

Gibt es Probleme und wie groß sind diese?

Wichtig ist es auf jeden Fall, sich zuerst analytisch mit seiner Website zu befassen und das Problem zu quantifizieren, um von dort aus – auch mit entsprechender Beratung durch die Webagentur oder interne IT – die nächsten Schritte zu planen und das Thema anzugehen. Hilfreiche Ressourcen bietet Google dazu selbst an:

Auch die Webanalyse kann dabei helfen, die Auswirkungen von „Tun oder Lassen“ kurzfristig einzuschätzen „Lassen“ ist aber spätestens mittelfristig für keine Website mehr eine Option!

 

Markus Baersch

Markus Baersch ist Geschäftsführer der gandke marketing & software gmbh aus Mönchengladbach, die Kunden aus jedem Marktsegment bei der erfolgreichen Vermarktung und laufenden Optimierung ihrer Shops oder B2B-Websites unterstützt. Wissen aus dem „früheren Leben“ als Diplom Ingenieur für Elektrotechnik und Leiter der Softwareentwicklung,  Projekt- und Produktmanager bei Sage Software ist dabei kein Ballast, sondern zusätzliches Werkzeug bei der Beratung und operativen Betreuung von Optimierungsmaßnahmen. Seit 2007 gehören hauptsächlich SEM, Webanalyse, Suchmaschinen-, Usability- und Conversionoptimierung zu seinem beruflichen Alltag.

Bildnachweis: © papalapapp – Fotolia.com

2 Gedanken zu “Wer morgen noch gefunden werden will, muss mobilfreundlich werden

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