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Digitale Nomaden – von überall aus arbeiten

Fotolia_86210630_S_copyright(Gastartikel) Von überall aus arbeiten – das Internet macht es möglich. Doch Unternehmen und Freiberufler sollten einiges beachten, bevor sie den Schritt ins digitale Nomadentum wagen. Denn es gilt nicht nur, die technischen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, sondern auch an die Sicherheit der Daten und an den Aspekt Work-Life-Balance zu denken.
Marco Nöchel von der Krefelder HKN GmbH beantwortet uns „12 Fragen an…“ zum Thema.

1. Herr Nöchel, wo genau haben wir Sie gerade erwischt? Von wo aus beantworten Sie unsere Fragen?
Ich würde jetzt gerne etwas Spektakuläres antworten, etwa: „Ich bin gerade auf einem Floß in Südamerika unterwegs.“ Die Wahrheit ist aber, dass ich gerade ganz normal zu Hause am Esstisch sitze.

2. Sie gehören zu den „digitalen Nomaden“ im Arbeitsleben. Wann und wie wurde die Welt zu Ihrem Büro?
Ich gehöre eher zu den „digitalen Nomaden light“. Ich habe ein Büro, in dem ich gerne arbeite, und bin viel zu Hause. Allerdings beschäftige ich mich von Berufs wegen sehr mit diesem Thema. Vor einigen Jahren haben wir angefangen, Cloud-Lösungen anzubieten. Da habe ich natürlich die Fühler ausgestreckt und geschaut, was man heute alles machen kann. Bei diesen Recherchen bin ich erstmals über „echte“ digitale Nomaden gestolpert. Seitdem entwickele ich meinen „Arbeitsplatz“ immer weiter. Mein Ziel ist es dabei, von überall sicher arbeiten zu können.

3. Wo liegen die Vorteile dieser freien Arbeitsweise?
Das kommt darauf an, wie weit man es treiben möchte. Wäre ich ein Freelancer ohne schulpflichtiges Kind, würde ich meinen Arbeitsplatz wahrscheinlich sofort in die Karibik verlegen. Das ist sogar wirtschaftlich sinnvoll. Man hat geringere Lebenshaltungskosten, arbeitet aber zu seinem üblichen Stundenlohn in Euro – Stichwort Geo-Arbitrage. Für mich liegt der Vorteil aber vielmehr in der „kleinen Mobilität“. Wenn ich von überall aus arbeiten kann, kann ich natürlich auch von da aus arbeiten, wo es gerade praktisch ist. Das gilt für den Zug genauso wie für den heimischen Garten oder fremde Büros. Diese Freiheit ist für das Privatleben geradezu unbezahlbar, vor allem wenn man Arbeit und Familie gut unter einen Hut bekommen möchte.

4. Welche Nachteile kann es geben?
Oft wird das Risiko zitiert, dass man zu leicht dazu verführt wird, nicht zu arbeiten. Die Gefahr gibt es aber überall. Ich kenne eine Menge Menschen, die sich auch im Büro sehr gut ablenken können. Wenn der mobile Arbeitsplatz gut organisiert ist, gibt es in meinen Augen keine Nachteile. Arbeitet man ausschließlich mobil, muss man natürlich schauen, dass man den Kontakt zu seinem Team nicht verliert.

5. Welche technischen – und vielleicht auch organisatorischen – Voraussetzungen muss ein Unternehmen schaffen, um seinen Mitarbeitern zu ermöglichen, von überall aus zu arbeiten?
Natürlich ist es nicht möglich, jedem Mitarbeiter einen mobilen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Gut klappt es in der Regel mit allen Büroarbeitsplätzen, bei denen die benötigte Software eh lokal auf dem PC des Mitarbeiters liegt. Rüstet man diese Arbeitsplätze mit einem Laptop anstelle eines Desktop-PCs aus, ist auf der Hardware-Seite der größte Schritt getan. Die große organisatorische Herausforderung ist es jetzt, dem Mitarbeiter von überall sicheren Zugriff auf die Firmendaten zu gewähren. Im Idealfall auch ohne guten Internetzugang. Hilfreich ist es natürlich, wenn man als Firma einige Dienste sowieso bereits in der Cloud hat. Das ist ja zumindest im Bereich E-Mail, Kalender und Aufgaben immer häufiger gegeben.

6. Immer wieder ist zu lesen, dass Unternehmen Opfer von Cyber-Angriffen werden. Kann das Arbeiten in der Cloud Kriminellen nicht Tür und Tor zu sensiblen Daten öffnen? Und wo genau liegen die Gefahren?
Die Gefahr ist natürlich real und nicht zu unterschätzen. Seit Firmen ans Internet angebunden sind, müssen sie sich vor mehr schützen als vor Einbrechern. Die Gefahr betrifft aber viel weniger Daten, die man bewusst in die Cloud gelegt hat, als die, von denen man gar nicht weiß, dass diese in der Cloud gelandet sind. Zum Beispiel, weil ein Mitarbeiter sie in irgendeinen Cloud-Speicher geworfen hat, um von zu Hause daran weiter zu arbeiten.

7. Wie  kann sich ein Unternehmen schützen?
Beim letzten IT-Sicherheitstag NRW der IHKs habe ich einen Vortrag zum Thema „Bring your own Device“ gehalten. Für mich liegt die größte Gefahr für Firmen darin, die „Hoheit“ über ihre Daten zu verlieren, und das passiert wahrscheinlich unbewusst durch Mitarbeiter, die die besten Absichten haben. Viele Mitarbeiter sind hoch engagiert und möchten Arbeiten auch daheim zu Ende bringen. Noch vor 10 Jahren hätten sie dafür einen Aktenordner mitnehmen müssen, das war einfach zu verhindern. Heute reicht ein Handy, ein USB-Stick oder ein Internetzugang. Firmen sollten daher ihren Mitarbeitern sichere Lösungen zur Verfügung stellen, mit denen sie mobil arbeiten können. Dann gibt es keinen Grund, aus der Not heraus unsichere Lösungen zu nutzen.

8. Welche Daten können bedenkenlos in einer Cloud gespeichert werden?
Bedenkenlos? Alle, die Sie auch in ein Regal auf die Straße stellen würden. Über alle anderen sollte man schon einmal nachgedacht haben. Prospekte, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, kann man aber natürlich eher in öffentliche und unverschlossene Clouds legen als Angebote oder interne Kalkulationen.

9. Und welche Daten gehören auf einen Rechner, der vielleicht nicht einmal ans Internet angeschlossen ist?
Man kann Dinge so sicher in der Cloud speichern, als ob sie im Tresor liegen würden, und zumindest ein verschlüsseltes Backup in der Cloud kann meistens Sinn machen. Ich kann es aber gut verstehen, wenn Firmen ihre Buchhaltung oder geheime Rezepte nicht in die Cloud legen.

10. Woran erkenne ich einen seriösen Cloud-Anbieter?
Als deutsche Firma würde ich einen deutschen Anbieter mit einem deutschen Rechenzentrum wählen, alleine schon wegen des Datenschutzes. Ansonsten würde ich immer schauen, ob ich Kontakt zu den Technikern für Support bekommen kann, und mich schlaumachen, wie gut meine Daten gesichert und gebackupt sind. Was man wissen muss: Ein zweites Rechenzentrum oder RAID-Systeme ersetzen kein Backup. Und: Kann ich meine Daten im Browser lesen, kann der Anbieter das in der Regel auch.

11. Im Urlaub eben schnell den aktuellen Stand eines Projekts abrufen, nach Feierabend noch einmal in die Mails gucken – wenn man von überall aus arbeiten kann, kann man theoretisch auch immer arbeiten. Wie schaffen Sie es, Privat- und Berufsleben zu trennen?
Das ist das große Risiko des mobilen Arbeitens. Die Work-Live-Balance schlägt leicht Richtung Work um. Das beobachte ich viel häufiger als umgekehrt. Gott sei Dank gibt es aber ein wichtiges Feature an jedem Handy, Tablet und PC – den Aus-Schalter. Wichtig ist, dass aus dem Immer-Arbeiten-Können kein Zwang zum Immer-Arbeiten-Müssen wird.

12. Haben Sie Tipps für Unternehmen, wie sie ihre Mitarbeiter vor einem „Zuviel an Arbeit“ schützen können?
Setzen Sie sich feste Zeiten, so als ob Sie im Büro sind. Allerdings müssen diese Zeiten nicht von 9 bis 17 Uhr sein. Das Schöne ist ja, dass man als mobiler Arbeiter mehr Freiheiten hat. Das sollte man nutzen.

NöchelZur Person:
In den späten 90ern gründete Marco Nöchel die Elkhouse GmbH. Ziel der Elkhouse war es, dedizierte Server mit Services günstig unters Volk zu bringen. Um die Jahrtausendwende ergab sich für ihn die Möglichkeit, die Elkhouse GmbH mit der HKN GmbH fusionieren zu lassen. Seitdem ist er als Marketingleiter für die HKN GmbH tätig.
Für die HKN GmbH betreut er verantwortlich verschiedene Social-Media-Kanäle, Web-Seiten und den HKN-Blog. Daneben hat er in den vergangenen Jahren drei eBooks verfasst (zwei fachspezifische und einen kurzen Fantasy-Roman). Außerdem hält er Vorträge und leitet Workshops  zu Themen rund um das Internet sowie Content-Marketing.

Bildnachweis: Fotolia_86210630_S_copyright

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