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Der Wert der Bilder

(Gastartikel) Wollte ein Handwerksgeselle früher Meister werden, begab er sich auf die Walz. Diese Tradition haben Achim und Monika Meurer in die Moderne übertragen und 2015 ihre Wanderjahre gestartet. Der Profi-Fotograf und die Autorin reisen durch die Welt, um ihr Handwerk – gute Bilder und Texte – in der Tourismusbranche populärer zu machen. In unserer Serie „12 Fragen an…“ spricht Achim über das Projekt „Walzing Meurers“ (http://meurers.net/) und die Bedeutung guter Fotos im Netz.

1. Du befindest dich gerade mit deiner Frau Monika auf der Walz – wie die Handwerksgesellen früher. Wie kamt ihr auf diese Idee?
Zu der Idee der Walz kamen wir nach mehreren Ereignissen in unserem Leben, die uns zum Nachdenken gebracht haben. So kam eins zum anderen und am Ende haben wir alle Puzzle-Teile zusammengefügt und das Konzept für die Walz entworfen.

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2. Wie genau funktioniert eure Walz 2.0?

Wir kommen auf Einladung zu einem Hotel, einer Destination oder einem touristischen Unternehmen und erkunden dann die Gegend, machen Fotos und schreiben darüber. Die Einzelheiten legen wir jeweils mit dem Auftraggeber fest. Kost und Logis werden uns gestellt und wir erhalten zusätzlich ein kleines Taschengeld.

3. Wo wart ihr schon überall und wo geht es als nächstes hin?
Wir waren am Anfang vermehrt im deutschsprachigen Raum unterwegs, zum Beispiel im Schwarzwald, am Mittelrhein, im Salzburger Land und in Tirol. Jetzt geht es aber auch vermehrt ins europäische Ausland, etwa auf die Azoren, nach Madeira, Portugal und Südtirol.

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4. Wer im Internet erfolgreich sein will, muss gute Inhalte liefern – frei nach dem Motto: „Content is king“. Trotzdem sind Unternehmen oft nicht bereit, für Texte und Bilder Geld in die Hand zu nehmen. Wie erklärst du dir diese Diskrepanz?
Wir verstehen es selber nicht und versuchen das im Gespräch auch immer wieder zu hinterfragen und zu ergründen. Unternehmen geben zum Teil sehr viel Geld aus für Gebäude, Einrichtungen, Personal und so weiter, aber sparen dann an den Fotos, die auf der Website den ersten Eindruck für den Kunden vermitteln. Vielleicht liegt es daran, dass jeder heutzutage vermeintlich Fotos machen kann, aber zum Beispiel kein Prospekt drucken oder ein Dach decken kann. Weiterhin sind Bilder und Fotos in den letzten Jahren sehr viel wichtiger geworden für eine Kauf- oder Buchungsentscheidung. Aber diese Entwicklung haben einige Unternehmer bisher anscheinend nicht wahrgenommen. In der Vergangenheit war der Erstkontakt vielleicht eine Visitenkarte oder ein Anschreiben mit Briefumschlag, Briefpapier und Logo. Heute läuft der Erstkontakt häufig über das Internet. Und da sind Fotos ausschlaggebend. Mit der Walz möchten wir auch darauf aufmerksam machen, dass Fotos nicht nur wichtig sind, sondern eben auch Arbeit bedeuten, und Texte nicht aus dem Ärmel geschüttelt werden, sondern mit viel Aufwand entstehen.

5. Was ist die Konsequenz dieser „Geiz ist geil“-Einstellung?
Die Konsequenz ist eindeutig ein Wettbewerbsnachteil. Es gab schon zahlreiche Untersuchungen und Tests, die eindeutig bestätigen, dass gute Bilder und Texte zu vermehrten Aufträgen führen. Die vermehrte Nutzung von Mobilgeräten wird in Zukunft diesen Trend noch verstärken. Bilder und Texte müssen dann auch auf kleinen Displays in Sekundenschnelle überzeugen und daher noch gezielter eingesetzt und noch überlegter erstellt  werden.

6. Du bist professioneller Fotograf (http://achimmeurer.com/) und hast dich auf HDR-Aufnahmen spezialisiert. Was verbirgt sich hinter dieser Technik?
Die HDR-Technik gibt eine Bildsituation so wieder, wie sie vor Ort vom Betrachter empfunden wird. Das menschliche Auge ist jeder Kamera und Technik immer noch überlegen. Aber mit der HDR-Photographie kann man fast wie mit den eigenen Augen sehen. So entstehen emotionale Bilder, die heutzutage immer wichtiger werden.

7. Was unterscheidet deine Aufnahmen von Bildern, die man beispielsweise günstig in Stock-Datenbanken wie Fotolia oder iStock kaufen kann?
Meine Aufnahmen entstehen in enger Zusammenarbeit und regem Austausch mit dem Auftraggeber. Wir besprechen, wie das Unternehmen bildsprachlich dargestellt werden soll, und ich setzte das dann nach den Ergebnissen unserer Diskussionen um. Der Kunde muss sich nachher mit dem Bild identifizieren und sich dadurch repräsentiert fühlen. Gekaufte vorgefertigte Bilder werden dies kaum leisten können und zeigen ja auch nicht die Realität vor Ort.

8. Was macht ein gutes Foto aus – und warum sind gute Bilder für die Webpräsenz von Unternehmen wichtig? Welche Rolle spielt eine eigene Bildsprache dabei?
Ein gutes Foto betont am besten die Individualität des Unternehmens, genau wie die übrige Außendarstellung mit Firmenlogo, -farben und so weiter. Auch die Fotos sollten zur Corporate Identity passen. Die Bilder auf der Webpräsenz sind oft der erste Kontakt und damit der erste Eindruck vom Unternehmen. Und hier hat man nur wenige Sekunden Zeit zu überzeugen. Oft auch nur im Unterbewusstsein des Betrachters. Deswegen sollte man sich die Bildsprache sehr genau überlegen und gut planen.

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9. Wie kriege ich gute Bilder auch mit Bordmitteln hin, zum Beispiel mit dem Smartphone oder mit einer ordentlichen Digitalkamera? Wann sind diese auch völlig ausreichend?
Für Social-Media-Kanäle und aktuelle Nachrichten können selbstgemachte Fotos mit dem Smartphone oder der eigenen Kamera durchaus mal ausreichen. Aber auch hier gibt es einige Punkte zu beachten, damit die Bilder auch präsentieren, was sie zeigen sollen. Deswegen sollte man sich auch da vorher gut überlegen: Was will ich mit meinem Foto aussagen? Und dann auch genau nur das fotografieren. Fotos mit repräsentativem Charakter sollte man allerdings dem Profi überlassen, wie zum Beispiel Hotelzimmer, die Außenansicht von Gebäuden oder Produktfotografie.

10. Wie gut muss ich mich mit Bildbearbeitungsprogrammen auskennen? Welches kannst du für Laien empfehlen?
Es gibt Bildbearbeitungsmöglichkeiten, die bereits auf den Smartphones vorinstalliert sind und oft für eine kurze, einfache Nachbearbeitung geeignet sind, zum Beispiel Snapseed oder ProCamera. Selbst mit der Instagram-App kann man nicht nur die langweiligen Einheitsbrei-Filter verwenden, sondern Fotos auch leicht individuell nachbearbeiten. Für den Desktop-Rechner gibt es auch ganz einfache Möglichkeiten der Bildbearbeitung, doch da fehlt mir der Überblick. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, über Google Photos online seine Fotos zu bearbeiten. Wenn jemand gerne fotografiert oder einfach nur viele Fotos besitzt, dann sollte er sich immer Gedanken machen über ein Programm, das die Fotos auch gleichzeitig gut verwaltet. Hier ist sicherlich Adobe Lightroom eine gute Wahl. Einerseits dient es als Archiv mit Verschlagwortung, andererseits sind dort die wichtigsten Bildbearbeitungsfunktionen enthalten, mit denen man sicherlich die gängigsten Funktionen der Nachbearbeitung gut abdecken kann. Für komplexere Anwendungen empfehle ich Photoshop. Das kenne ich seit der Version 2 und es ist nach wie vor der Marktführer. Sicherlich gibt es auch hier Alternativen wie Gimp  oder Pixelmator für den Mac, die nicht ganz so viel Funktionen bieten, aber dennoch ausreichend sind für viele anspruchsvolle Arbeiten.

11. Gibt es Best-Practice-Beispiele von Unternehmen, bei denen man sich inspirieren lassen kann?
Die Agentur Gesagt.Getan hat sich intensiv mit dem Thema Bildsprache auseinandergesetzt und hat den Prozess ähnlich wie eine Strategiefindung behandelt. Dabei ist eine sehr umfassende individuelle bildliche Präsentation herausgekommen. Aber auch bekannte Marken wie Mercedes Benz oder das Salzburgerland sind oftmals sehr gut in Sachen Bildsprache und bieten mit ihrem hohen Wiedererkennungswert ein gutes Beispiel und können zur Inspiration dienen.

12. Wie ist das Feedback eurer Kunden, denen ihr eine Fülle von Bild- und Textmaterial nach einem Besuch hinterlasst? Ist bei Ihnen der Content danach wirklich King?
Viele Kunden haben sich nie zuvor so intensiv mit dem Thema befasst oder auch vorher nie so intensiv mit einem Fotografen zusammengearbeitet. Die meisten sind anschließend sehr begeistert. In den Fällen, in denen unsere Auftraggeber nicht so überzeugt sind, haben sie sich auf den Prozess nicht eingelassen und hatten zum Beispiel keine Zeit für uns. Das Ergebnis ist dann leider auch entsprechend. Die Mehrheit ist äußerst zufrieden. Unsere Texte, die nicht bei uns erscheinen, werden aber leider noch etwas stiefmütterlich behandelt und sind zum Teil noch gar nicht veröffentlicht.

Zu Achim und Monika Meurer:
WaltzingMeurersSWPLUSProfi-Fotograf Achim Meurer und die Autorin Monika Meurer sind seit Mai 2015 auf der Walz. Demnächst geht es für sie unter anderem nach Portugal und auf die Azoren. Auf ihrer Internetseite (http://meurers.net/) sind jede Menge Fotos und Texte von den vergangenen Reisen zu finden.

 

Bildnachweis: Achim Meurer

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