Drucken

360°-Content im eCommerce

Bild-1(Gastartikel) Immer öfter sieht man im Internet 360°-Fotos und Videos. Auch Social-Media-Plattformen wie Facebook implementieren nach und nach Funktionen, mit denen sich 360°-Content bequem abrufen lässt. Doch wie holt man das Meiste aus dem neuen Trend heraus? Wie sehen die richtigen Inhalte dafür aus? Ein paar Einblicke aus dem Erfahrungsschatz einer Online-Marketing-Agentur.

„Wenn aus dem Verkauf eine Begegnung zwischen Kunde und Verkäufer wird, sind beide zufrieden“, sagte einmal der Rhetoriker Alfred Rademacher. Und nach wie vor hat er damit recht: Der Königsweg etwas an den Mann zu bringen läuft über den persönlichen Kundenkontakt. Ein Aspekt, der im Online-Handel verloren geht. Und doch geben sich Shop-Betreiber aller Branchen Mühe, nah am Kunden und nah am Produkt zu bleiben, sei es durch personalisierte Produktempfehlungen oder durch geschickte Inszenierung der Produkte in Wort und Bild. Brot und Butter unserer Branche ist es, immer wieder neue Ansätze für diesen Gebrauch zu finden. Gerade was das Bild angeht gibt es da unzählige Möglichkeiten, die neueste davon die 360°-Fotografie.

Mittendrin statt nur dabei

Die Anwendungsbereiche für 360°-Fotografie sind vielfältig, und der Vorteil gegenüber traditioneller Fotografie ist dabei immer der selbe: Man erhält einen natürlichen und realistischen Eindruck von einer Umgebung. Soll ein Raum abgebildet werden, kann man das zwar mittels vieler Einzelaufnahmen umsetzen, die erzeugen aber oft einen trügerischen Eindruck, ganz egal ob das mit Absicht geschieht oder nicht. Je nachdem mit welcher Kamera und welchem Objektiv, mit welchem Blickwinkel und bei welcher Zoom-Stufe fotografiert wurde, sieht ein Raum kleiner oder größer aus, als er eigentlich ist. Egal wie viel Mühe sich unser Fotograf gibt – so etwas wie ein „neutrales Foto“ existiert schlichtweg nicht. Auch verlangt es dem Zuschauer oft einiges an Fantasie ab, sich einen Ort räumlich vorzustellen, wenn er nur einige zweidimensionale Abbildungen mit verschiedenen Perspektiven und Einstellungsgrößen gezeigt bekommt, denn das entspricht einfach nicht den natürlich Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten des Homo Sapiens.

Mit 360°-Fotos erübrigt sich das Komponieren des Bildes für unseren Fotografen, gleichermaßen auch das Entschlüsseln des Bildes für den Zuschauer. So kann man den Betrachter in Immobilien, Hotelzimmer oder an Veranstaltungsorte verfrachten und er erhält einen klaren Eindruck von Distanzen und Größenverhältnissen der Location, ohne dass er sich manipuliert fühlen muss.

Dabei ist 360°-Fotografie an sich nichts neues, der leichte Zugang zu diesem Content aber ist durchaus neu. Frühere Versuche 360°-Content online verfügbar zu machen führten oft zu kostspieligen und aufwändigen Produktionen, die am Ende nur eine kleine Zuschauerschaft erreicht haben. Diese musste erstmal Plug-Ins installieren oder gar einen neuen Browser herunterladen, brauchte eine verhältnismäßig schnelle Internetanbindung, und so weiter und so fort. Kurz: Die Hürde lag sehr hoch. Was sich in letzter Zeit in diesem Bereich so dramatisch verändert hat, ist der ease of access: Niemand muss mehr spezielle Software installieren, um ein 360°-Foto zu betrachten. In der Tat tragen die meisten Menschen heute schon das perfekte Endgerät in der Hosentasche: Das Smartphone.

So können wir unsere hauseigenen 360°-Videos für die Kundschaft einfach bei YouTube oder Facebook platzieren und müssen keine Ressourcen für die Distribution aufbringen. Durch die unkomplizierte Einbindung auf solch gängigen Plattformen müssen wir uns zum Beispiel nicht mehr um die Optimierung für mobile Endgeräte kümmern. Auf die Anwendungen von 360°-Videos gehe ich später nochmals ein, bleiben wir also zunächst bei den Fotos.

Der Holobuilder

Eine komfortable Plattform für alle Endgeräte bietet Holobuilder, mit der sich ohne großen Aufwand 360°- und VR-Content erstellen und abrufen lässt. Die Besonderheit ist, dass man diese Foto-Sphären auf der Holobuilder-Website mit jedem gängigen Browser erstellen und auch präsentieren kann. Dafür sind keine exotischen oder gar dubiosen Plug-Ins notwendig, und auch keine speziellen Apps. Man ruft einfach holobuilder.com auf und lädt dort ein 360°-Foto hoch. Das kann man dann mit Texten, Links und 3D-Objekten versehen, zum Beispiel Infotafeln oder Wegweisern, die zur nächsten Sphäre führen. Denn ganz leicht lassen sich mit Holobuilder mehrere Sphären miteinander verknüpfen, um so einen Rundgang, zum Beispiel durch ein Haus, zu kreieren. Sie kennen dieses Prinzip von Google Street View.

Da der 360°-Content von holobuilder.com frei und gratis abrufbar ist, lässt er sich auch ohne Probleme mit HTML auf der eigenen Seite einbinden. Egal ob man Immobilien feilbietet, Veranstaltungen bewirbt, Hotelzimmer oder gleich die ganze Hotelanlage präsentiert: Alles was man dafür benötigt, sind 360°-Aufnahmen.

Wie komme ich an 360°-Fotosphären?

Es gibt verschiedene Apps für das Smartphone, mit denen man Foto-Sphären erstellen kann. Sind die eigenen Ansprüche nicht besonders hoch, sind diese vollkommen ausreichend. Die Bewegungssensoren sind allerdings nicht fein genug, um die Einzelbilder zu einer perfekten Sphäre zusammenzusetzen. Man sieht Brüche und Kanten im Bild und Objekte, die sich über mehrere Einzelbilder erstrecken, werden oft nicht korrekt zusammengesetzt. Inzwischen gibt es auch spezielle Consumer-Kameras, die man einfach in der Mitte des Raumes platziert oder mit der Hand über den Kopf hält, und die eine komplette Sphäre aufnehmen. Damit erspart man sich das Zusammensetzen vieler Einzelbilder zu einer Sphäre – dafür ist die Auflösung aber nicht besonders hoch. Zoomt der Zuschauer in das Bild hinein, wird er dort nur wenige Details erkennen können.

Für professionellere Abbildungen mit annehmbarer Auflösung ist spezielles Equipment also unvermeidlich. Wir verwenden dafür eine Kombination aus speziellen Stativen und Objektiven, womit sich mit professionellen DSLR-Kameras Fotosphären herstellen lassen, die gestochen scharf sind und viele Details abbilden können. Die Einzelbilder werden von unserem Grafiker dann mittels einer speziellen Software zu einer perfekten Sphäre zusammengefügt. Mit dem so entstehenden Content macht es dann auch richtig Spaß, eine Umgebung zu erkunden und zu entdecken.


Bewegende und bewegte Bilder: 360°-Video

360°-Fotos sind also perfekt dafür geeignet, einen realistischen und imposanten Eindruck von Orten zu vermitteln. Soll aber für eine Veranstaltung geworben, verlagert sich das Hauptaugenmerk weg von dem Ort und hin zu dem, was sich an diesem Ort abspielt. Eine Konzertveranstaltung kann an einem spektakulären Ort abgehalten werden. Was aber eigentlich verkauft wird, ist die Konzerterfahrung: Das Gefühl in einer brodelnden Menge unterzugehen, die sich ganz der Musik und dem Bühnenspektakel hingibt. Das ist mit Fotos schwer einzufangen, mit 360°-Videos hingegen versetzen wir den Zuschauer genau dort hin.

Diese Darstellungsform erlebt, genau wie die 360°-Fotografie, eine ganz neue Relevanz durch den leichten Zugang, der bis vor kurzem so noch nicht gegeben war. Auch hier rüsten die Social-Media-Plattformen, und mit ihnen auch wir und unsere Branche, nach und nach auf, um 360° Video-Content ohne Hürden an den Mann zu bringen. Für die Produktion solcher Videos existieren noch keine Consumer-Geräte, deshalb müssen Profis ran. Wir benutzen sogenannte 360°-Kamera-Rigs, in die wir bis zu acht Videokameras gleichzeitig einspannen. Aus den einzelnen Videos komponieren wir dann eine 360°-Videosphäre, in der sich der Zuschauer frei umsehen kann. Dafür benötigen wir sehr leistungsfähige Hardware, denn die Post-Produktion ist – im Vergleich zu traditionellem Video-Content – recht aufwändig.

Trotzdem: So einfach wie heute waren das Erstellen und das Konsumieren von 360°-Content noch nie. Wer im Online-Handel mit einer Besonderheit herausstechen möchte, die neben dem Schauwert auch noch einen konkreten Nutzwert bietet, der kommt an 360°-Content nicht vorbei. Wir von K3 halten es auch an dieser Stelle mit Alfred Rademacher: „Wer nach oben will, muss etwas in Bewegung setzen.“

 

Thomas Schupp 200x200Zum Autor:
Thomas Schupp ist gelernter Video-Journalist, nach seinem Studium an der Westfälischen Hochschule produzierte er einen 16-teiligen Video-Guide für die DortmundTourismus GmbH. Nun arbeitet er bei der Kreative Kommunikationskonzepte GmbH, die auf Online-Marketing mit dem Schwerpunkt Video spezialisiert ist. Dort ist er in den Bereichen Audio/Video-Schnitt, Kamera und 360°-Video tätig.

 

Bildnachweis: Kreative Kommunikationskonzepte GmbH

Ein Gedanke zu “360°-Content im eCommerce

  1. Pingback: Urlaubslektüre: 50+ Ratgeber von der K3 für euch gesammelt und sortiert - K3 - Strategie. Content. Video. CROSSMEDIAL.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.