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Wann Sie eine App wirklich brauchen und wie Sie diese umsetzen sollten

(Gastbeitrag) Sieben Jahre nach der Einführung des iPhone gab es bereits über fünf Millionen Applikationen (Apps) in allen Stores. Der durchschnittliche Smartphone-Besitzer in Deutschland hat zwischen elf und 20 Apps auf seinem Handy (neben den Standard-Apps der Betriebssysteme). Lediglich 21,6% der Nutzer geben an, mehr als eine neue App pro Monat zu installieren.

40% aller Smartphone-Besitzer nutzen dieses täglich zur Suche nach Informationen im Internet. 82% aller Smartphone-Suchanfragen in Google beziehen sich auf lokale Dienstleister und Produkte.

Daraus werden zwei grundlegende Probleme deutlich:

  1. Der Markt ist nahezu gesättigt und viele Bereiche sind bereits mit echten Champions besetzt.
  2. Es ist sehr schwer, ins Relevant-Set von Usern zu gelangen, sodass die App auch regelmäßig genutzt wird.

Gründe für eine App

Die Entscheidung für eine App sollte gut überlegt sein. Gründe, die dafürsprechen, können sehr vielfältig sein. Einige Beispiele:  

  • Steigerung der Produktivität
  • Steigerung der Kundenzufriedenheit
  • Etablierung eines weiteren Absatz-Kanals
  • Ausschöpfen eines Wettbewerbvorteils
  • Optimierung der Customer Journey  
  • Branding

Ein guter Grund allein ist allerdings nicht ausreichend, um eine App in Auftrag zu geben. Im Vorfeld sollten Sie in einen Analyse-Prozess einsteigen, um die Idee zu validieren.

Diese Fragen sollten Sie sich stellen.

  1. Welchen Nutzen hat meine App für den User?
    Auch wenn Sie zwecks Branding eine App entwickeln möchten, benötigen Sie einen klaren Zweck, damit diese auch genutzt wird. Wird diese nicht genutzt, haben Sie auch keinerlei Branding-Effekte. Eine App sollte auf ein klar definiertes Unternehmensziel einzahlen. Dazu sollte die App einen Mehrwert für eine definierte Zielgruppe bieten.
  2. Kennen Sie Ihre Zielgruppe?
    Werten Sie die Daten Ihrer Homepage aus. Bewerten Sie die Zugriffe über mobile Endgeräte und versuchen Sie, das Nutzer-Verhalten auszuwerten. Reichern Sie die Analyse mit demographischen Daten an und bilden daraus Personas, die stellvertretend für Zielgruppen-Cluster stehen. Nur so erhalten Sie ein klares Bild der Zielgruppe, die Sie mit Ihrer App für sich gewinnen wollen.
  3. Ist der Funktionsumfang der App bereits abgesteckt?
    Für eine App gibt es immer zahlreiche Ideen. Was man noch alles machen könnte, würde, sollte – aber: Die App muss nicht direkt von Beginn an alles beinhalten. Konzentrieren Sie sich auf die Kernfunktion der App und überraschen Sie die User immer wieder mit neuen Features und einer gesunden Release-Planung.
  4. Gibt es bereits ähnliche App-Konzepte in den Stores?
    Schauen Sie in die App-Stores und suchen Sie nach Konkurrenz-Produkten. Beschränken Sie Ihre Suche dabei nicht nur auf Deutschland, sondern schauen Sie auch in andere Märkte. App-Bewertungen können Ihnen gute Ansätze für Optimierungen liefern. Auch wenn Ihr Segment bereits mit einem echten Champion besetzt ist, ist das kein K.O.-Kriterium für eine App.  
  5. Bin ich bereit, Aufwand hinsichtlich Wartung, Service, Support und Vermarktung in die App zu investieren?
    Allein mit Einstellen der App in die jeweiligen Stores ist es noch nicht getan. Sobald dies erfolgt ist, werden Ihnen unter Umständen Bugs gemeldet, Sie bekommen positives und negatives Feedback aus den Stores, wollen vielleicht weitere Features integrieren oder benötigen mehr User. Sie sollten also ein Vermarktungskonzept ausarbeiten und umsetzen. Diesen Aufwand sollten Sie ungefähr abschätzen können und auch bereit sein, in dieser Hinsicht zu investieren.

Die passende Technologie

Wenn Ihnen das alles bewusst ist, benötigen Sie noch die passende Technologie zur Umsetzung. Auch hier gibt es Kriterien beziehungsweise Schwerpunkte, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen können: Denn die einzelnen technologischen Ansätze haben alle ihre Stärken und Schwächen.
Grundsätzlich gilt es, zwischen nativen Apps, Cross-Plattform Apps, hybriden Apps und Web-Apps zu unterscheiden. Native Apps werden für jedes Betriebssystem (iOS, Android, Windows etc.) separat entwickelt. Bei Cross-Plattform Apps wird zu einem gewissen Anteil (i. d. R. zwischen 50% und 75%) ein gemeinsamer Source-Code geschrieben und nativ kompiliert. Hybride Apps haben lediglich einen nativen Rahmen und werden inhaltlich vorwiegend mit Webinhalten gefüllt und Web-Apps sind HTML-5 Produkte, die nicht in den Stores verfügbar sind. Eine Gegenüberstellung macht die Stärken deutlich:

  Native App Cross-Plattform Hybride App Web App
Performance  +++ ++ + +
Kosten + ++ +++
Präsenz* +++ +++ +++
User-Experience +++ ++ ++ +
Hardware-Zugriff**  +++ ++ ++ +
Offline-Funktion  +++ +++ ++ +
Bereitstellung von Updates  ++ ++ ++
Aufwand Wartung  – + ++ +++

*Präsenz: meint die Verfügbarkeit in relevanten App-Stores. Eine Web-App kann über die App-Stores nicht eingestellt oder gefunden werden.  Die anderen Varianten fungieren nach Installation als Markenbotschafter auf dem Endgerät.

Natürlich gibt es diesbezüglich noch so manche Besonderheit und auch die Kategorie oder Branche kann den Ausschlag für eine Technologie geben. Anhand dieser Kriterien und Fragen sollten Sie für sich beantworten können, ob Sie eine App brauchen und welche die richtige Technologie für Sie ist.  

 

Zum Autor:
Michael Döhmen, TeamWFP (www.teamwfp.de)
Position: Head of Mobile

Für Michael Döhmen sind Konzepte und Ideen erst dann gut, wenn Ihr Ziel erreichen. Genau das tun er mit seinem Team-Mobil bei TeamWFP, einem inhabergeführter Agenturverbund mit 140 Spezialisten für klassische und digitale Kommunikation mit Sitz in Mönchengladbach. Mit Spaß und mit Erfolg. Für mittelständische und große Kunden aus Handel und Industrie.

 

Quellen:

 

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